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Parallelführung

Die einfachste Form des Kontrapunkts besteht in einer Parallelbewegung der Stimmen. In dieser Bewegung herrscht vollständige melodische Übereinstimmung: Jede Stimme schreitet zur gleichen Zeit im gleichen Intervall voran, und das Intervall zwischen den simultan erklingenden Tönen der Stimmen ist immer gleich groß. In welchem Intervall die Stimmen parallel geführt werden, ist im Prinzip gleichgültig. Allerdings wird für längere Passagen die Parallelführung in Terzen und Sexten bevorzugt, weil so die Abfolge von Konsonanzen und Dissonanzen in der tonalen Bewegung durchgängig gestaltet werden kann.

 

Im Gegensatz zu dieser typischen Bewegungsform der tonalen Musik beruht die Parallelführung der frühen Mehrstimmigkeit noch nicht auf der Tonalität. Sie tritt zunächst als Quinten- und Quartenparallele auf.

 

Die parallel geführten Stimmen unterscheiden sich zwar nicht in der Bewegung, die sie vollführen, aber gerade deshalb um so deutlicher in der Lage, die sie relativ zueinander einnehmen: Sie verhalten sich zueinander als Ober- und Unterstimme. Die Zugehörigkeit der Töne zu der einen oder anderen Stimme ist somit durch ihre relative Lage definiert. Die melodische Identität der Stimme muss nicht durch kontrastierende Klangfarben oder getrennt lokalisierbare Klangquellen hergestellt werden, sondern entspringt bereits in der einfachsten Polyphonie der Figur des Kontrapunkts selbst.

 

Dasselbe Bewegungsverhältnis jedoch, das die Eigenständigkeit der Stimmen in der Bestimmtheit ihrer relativen Lage festschreibt, enthält auch ein Moment der Relativierung melodischer Selbständigkeit, und zwar durch die wechselseitige Abhängigkeit der Stimmen im Ablauf ihrer Bewegung. „Gefährdet“ ist die Selbständigkeit der Stimmen durch ihre Parallelführung allerdings keineswegs, und die diesbezügliche Vorstellung der alten Kontrapunktlehren verabsolutiert lediglich die in der Logik des Kontrapunkts fortentwickelten Gestalten, mit denen die ursprüngliche Mehrstimmigkeit vorangebracht worden ist. Fachbegriff aus dem Bereich Musik.


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