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Kontrapunkt

Der Kontrapunkt ist die Ästhetik der Polyphonie. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung hat der Kontrapunkt nichts mit Harmonie zu tun. Die Stimmen haben von Haus aus keinerlei harmonisches Verhältnis zueinander, sie sind zu einer solchen Beziehung aufgrund ihrer Eigenart gar nicht fähig. Was harmoniert, sind die in Takten oder Taktsegmenten zusammenklingenden Töne, nicht die Stimmen als solche. Dass die harmonierenden Töne zugleich Bestandteil von Stimmen sind, ist eine andere Sache. Innerhalb einer melodischen Tonfolge repräsentieren die Töne immer Stufen einer Tonleiter, auf denen genauso gut auch andere Töne liegen können. Am Verlauf der Stimmen ändert sich nichts, wenn vor der einen oder anderen Note ein Vorzeichen gesetzt oder aufgelöst wird. Was sich ändert, ist nur die Tonart und die Abfolge von Harmonien. Umgekehrt kann eine bestimmte Harmoniefolge in verschiedensten Stimmbewegungen realisiert sein.

 

Verkehrt ist auch die Auffassung, der Kontrapunkt stehe in einem Gegensatz zur Harmonik, wie mancher Theoretiker behauptet:

 

„Der Kern der Kontrapunkt-Theorie liegt darin, wie zwei oder mehrere Linien sich gegenseitig in möglichst unbehinderter melodischer Entwicklung entfalten können; nicht durch die Zusammenklänge, sondern trotz der Zusammenklänge.“ (Ernst Kurth, Grundlagen des linearen Kontrapunkts, Bern 1916, S. 144)

 

Die Harmonik der Zusammenklänge und ihrer Abfolge „behindert“ nicht die Melodik der Stimmbewegung. Da gibt es nichts, was erst noch in Einklang miteinander gebracht werden müsste. Die Melodik der tonalen Musik gibt es gar nicht unabhängig von ihrer harmonischen Grundlage. Und auch die Stimmen selbst haben keinerlei negatives Verhältnis zueinander. Sie stehen einander nicht im Wege, sondern vergleichen sich hinsichtlich der Form ihrer Fortbewegung. Der Kontrapunkt ist ein positives Verhältnis der Stimmen.

 

Die selbständige Bewegung der Stimmen ist in ihrem positiven Verhältnis logisch unterstellt. Der Genuss des Kontrapunkts ist insofern an die gesonderte Wahrnehmbarkeit der Stimmen und ihrer jeweiligen Bewegung gebunden. Diese Voraussetzung ist am einfachsten dadurch zu gewährleisten, dass die Stimmen von verschiedenen und womöglich von ihrer Klangfarbe her kontrastierenden Instrumenten gespielt werden. Der Kontrapunkt und die darin unterstellte Selbständigkeit der Stimmen existiert jedoch auch in Musikstücken, die nur auf einem Klavier oder einer Orgel gespielt werden. Warum das so ist, zeigt sich an den Formen des Kontrapunkts, also an den verschiedenen Bewegungsverhältnissen der Stimmen:

- Parallelführung der Stimmen

- Bewegung in ungleichen Intervallen

- Ungleichzeitiges Fortschreiten

- Ungleichzeitiges Pausieren

Fachbegriff aus dem Bereich Musik.


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Lexikon

Heiland 1977

Heiland, Susanne: Ein wiederentdecktes Predellenbild zu Rubens' Kreuzaufrich tungsaltar. In: Jb. der Staatlichen Kunstsammlungen. Dresden 1976/77. S. 43-51
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Vorproduktion

Siehe auch: Präproduktion
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PhJb

Deutsch-sprachige Abkürzung für das Wort: Philosophisches Jahrbuch
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