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Andy Warhol

Name: Andrew Warhola
Ort: New York
Land: United States
Beruf: Kunstmaler/-in
Stil: Pop Art
Branche: Kunst

Vita:

Andy Warhol [ˈændi ˈwɔːɹhoʊl] war ein US-amerikanischer Grafiker, Künstler, Filmemacher und Verleger sowie Mitbegründer und bedeutendster Vertreter der amerikanischen Pop-Art. Er hinterließ ein umfangreiches Gesamtwerk, das von einfachen Werbegrafiken bis zu Gemälden, Objekten, Filmen und Büchern reicht. Zudem war er auch als Musikproduzent tätig. Er war der jüngste von drei Söhnen einer armen Bauernfamilie mit lemko-ruthenischen (in neuerer Terminologie und genauer: russinischen) Wurzeln. Seine Eltern Ondrej Varchola (amerikanisiert zu Warhola) (1888–1942) und Julia Justyna geborene Zavacka (1892–1972), waren Immigranten aus dem Dorf Miková (49° 18′ N, 21° 49′ O49.29414921.823347) bei Medzilaborce, russinisch Меджилабірці (Karpaten) im Nordosten der Slowakei. Sein Geburtsname war Andrej Warhola, den er jedoch später amerikanisierte. Er wurde griechisch-katholisch getauft. Andy Warhol kokettierte gern mit seinem Geburtsdatum und „verjüngte“ sich gelegentlich auf den Jahrgang 1930, manchmal sogar auf 1933, weshalb in Biografien oft unterschiedlichste Angaben zu finden sind; er bekannte sich jedoch zu seinem Geburtsort Pittsburgh in Pennsylvania. Im Alter von acht Jahren erlitt Warhol eine Art Nervenzusammenbruch, gepaart mit einer seltenen Pigmentstörung, so dass man ihn lange für einen Albino hielt. Das bettlägerige Kind entwickelte schnell eine Leidenschaft für Comics und Kinofilme, begann zu zeichnen und Papierfiguren auszuschneiden. In dieser Zeit entstand eine intensive Bindung Warhols zu seiner Mutter Julia. Von 1945 bis 1949 studierte Warhol Gebrauchsgrafik am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh, der heutigen Carnegie Mellon University, und machte seinen Abschluss in Malerei und Design. Nach Abschluss des Studiums zog er mit seinem Kommilitonen, dem Künstler Philip Pearlstein, nach New York, das damals nicht nur ein literarisches Zentrum und eine Hochburg der Kunst war, sondern auch ein Zentrum der Werbung. Anfang der 1950er Jahre lebte Warhol von Gelegenheitsarbeiten als Werbegrafiker und Schaufensterdekorateur oder verkaufte Obst und Gemüse auf der Straße. Die Zeitschrift „Mademoiselle“ veröffentlichte im Februar 1950 Zeichnungen von ihm, die mit „Andy Warhol“ signiert waren: Aus Andrew Warhola war Andy Warhol geworden.[2] In dieser Zeit entwickelte er seine Technik des drop and dripping, eine Methode, die seine späteren Siebdrucke vorwegnahm: Mit Tinte und Tusche gezeichnete Motive von Engeln, Putten, Schmetterlingen oder Katzen wurden mit einem Blatt Löschpapier kopiert und auf ein neues Blatt übertragen. So entstanden in Zusammenarbeit mit der Designerin Suzie Frankfurt vielfältige Beiträge für Zeitschriften, Magazine, Grußkarten und Werbegeschenke sowie humorvolle Kochbücher („Wild Raspberries“, 1959). Auf sogenannten „Colouring Partys“ lud er Freunde und Gäste ein, die dazu beitrugen, seine Arbeiten farbig auszumalen (was bereits auf die spätere serielle „fabrikartige“ Produktionsweise seiner Werke und Filme durch Mitarbeiter hindeutete). 1952 hatte er mit „Fifteen Drawings Based on the Writings of Truman Capote“ (16. Juni bis 3. Juli, Hugo-Galerie, New York) seine erste wichtige Einzelausstellung und 1956 stellte er im Museum of Modern Art in New York aus, beide Male jedoch als Grafiker, nicht als bildender Künstler. Obwohl Warhol als Werbegrafiker überaus erfolgreich war – Ende der 1950er Jahre zählte er zu den bestbezahlten Grafikdesignern in Manhattan – wählte er dennoch bald den künstlerischen Weg und suchte neue Ideen für seine Bilder auf Leinwand. Warhol konzentrierte sich hierbei auf triviale Sujets; HollywoodStars, Comic- und Cartoon-Motive, wie Micky Maus, Popeye oder Superman, die er anfangs noch per Hand anfertigte und vervielfältigte. Mit diesen der Werbeszene entnommenen Abbildungen distanzierte er sich bewusst vom Abstrakten Expressionismus eines Mark Rothko oder Barnett Newman oder den Action Paintings eines Jackson Pollock. Resigniert musste er allerdings bald feststellen, dass Künstlerkollegen wie Roy Lichtenstein oder Robert Rauschenberg das Terrain bereits mit ähnlichen Motiven abgrasten. Eine Verbindung zu seinem früheren Leben stellte er dadurch her, dass er eine Schaufensterkollektion aus den noch von Hand gemalten „abgelegten“ Werken für das Kaufhaus Bonwit Teller in der New Yorker 5th Avenue konzipierte und sich auf eine neue Technik verlegte. Anfang der 1960er Jahre machte er sich mit dem Siebdruck vertraut und begann intensiv Bilder aus Flugblättern, Kinoheften, Zeitschriften wie Life oder dem Time-Magazine auszuschneiden und zu sammeln, um sie für seine Bilder zu verwenden. Kennzeichnend für die folgende Periode seines Schaffens ist die Verwendung von weit verbreiteten, jedem Amerikaner vertrauten Motiven (meist aus der kommerziellen Werbung und Pressefotos), von denen er Siebvorlagen herstellen ließ und die er dann seriell wiederholte (Zitat: „I love to do the same thing over and over again“ – „Ich liebe es, das Gleiche immer und immer wieder zu tun“). Ein typischer Werktitel jener Zeit lautet „30 are better than one“: Eine Postkarte der Mona Lisa wurde dreißig mal auf der Leinwand vervielfältigt und war daher besser als nur eine – das Original zählt weniger als die quantitative Vervielfältigung (Multiple). 1962 hatte Warhol mit Campbell’s Soup Cans seine erste Einzelausstellung als Künstler in Walter Hopps’ Ferus Gallery in Los Angeles (9. Juli–4. August 1962). Man begegnete diesen Bildern zunächst mit totalem Unverständnis, nur zwei Käufer erkannten die revolutionäre Neuerung von Warhols Sichtweise; einer von ihnen war der Schauspieler Dennis Hopper. Eines der bekanntesten Werke aus dieser Zeit dürfte wohl die Abbildung eines Kinostandbildes aus dem Film Niagara mit Marilyn Monroe sein, das Warhol über Jahre hinweg in vielen Farbvariationen verarbeitete. Unzählige „Elvise“, „James Deans“ und „Liz Taylors“ sollten folgen. All diese Bilder zeigen jedoch eines deutlich: Sie stellen ganz bewusst gewählte und weiterbearbeitete Ausschnitte der Vorlagen dar. Warhols oft zitiertes Bonmot, nachdem er gar nicht mehr male und auch seine Vorlagen schon alle da seien, er selbst also gar keine Kunst mehr produziere, sondern diese sich selbst, der Künstler im traditionellen Verständnis also nicht mehr existiere, muss unter diesem Aspekt bewertet werden. Es ist die Auswahl, die Gestaltung, und das ihr zugrunde liegende Konzept, das die Arbeit entscheidend prägt. Warhols in den Jahren als Werbegrafiker erworbenes untrügliches Gespür für die Effekte, die durch eine entsprechende Gestaltung und Farbgebung hervorgerufen werden, bilden die konsequent weiterentwickelte biographische und ästhetische Grundlage. Zu Warhols in Interviews immer wiederkehrender Verschleierungstaktik gehört dementsprechend auch die Behauptung, diese Arbeiten seien teilweise nur auf seine Anweisung von seinem jungen Mitarbeiter, dem gelernten Siebdrucker und Poeten Gerard Malanga angefertigt worden (ähnliches hatte zuvor z. B. schon Salvador Dalí von seiner Arbeitsweise behauptet). Warhol verwendete alles aus der Populärkultur, was er irgendwie als „glamourös“ empfand oder so uminterpretierte – und wenn es, wie in seiner berühmten allerersten Serie, eine Suppendose von Campbell’s war. Er schreckte auch vor Geschmacklosigkeiten (die „Desaster“-Serie mit riesengroß aufgeblasenen Pressefotos von Autounfällen und Selbstmördern) nicht zurück und nutzte das öffentliche Interesse an Personen wie der trauernden Jackie Kennedy nach der Ermordung ihres Mannes John F. Kennedy schamlos für seine auf Effekt bedachten Bilder aus. Auch die Kunstkritik erkannte bald, dass diese Bilder einen ungeheuren ästhetischen Reiz hatten: Durch ihre Serialität lenkten sie die Aufmerksamkeit weg vom Motiv hin zur Machart der Vorlagen und ließen dadurch den manipulativen Charakter der Populärkultur unserer Zeit erkennbar werden – wir alle sind durch die Massenmedien in unserer Wahrnehmung gelenkt. Zudem hatten die Bilder ihren optischen Reiz, indem sie durch grelle Farbgebung und bewusst schlampigen Farbauftrag die Originalvorlagen so veränderten, dass eine quasi „filmische“ Betrachtung möglich wurde. Warhols Bilder wurden spätestens seit 1965 als Sensation auf dem Kunstmarkt gefeiert. Auch jenseits von Malerei und Film erforschte Warhol neue Territorien. Er erkannte sehr früh die Tendenzen der zeitgenössischen Kunst und modelte sie zu seiner eigenen Sache um. So protegierte er die Rockgruppe The Velvet Underground, indem er sie in der Factory proben ließ (aus all den früheren Übungsräumen, Lokalen und Wohnungen waren Lou Reed, John Cale, Sterling Morrison und Maureen Tucker geflogen, weil sie brutal laut waren), und er finanzierte als „Produzent“ ihre erste Schallplatte. Dazu holte er das deutsche Fotomodell Nico ins Studio. Die Live-Auftritte der Band sind legendär, Warhol als Mastermind verwendete für die Lightshow erstmals viele neuartige Mittel, die heute alltäglich sind: Stroboskop und Spiegelkugel, Dia- und Filmprojektionen, Farbfilter und Überlagerungen. Die Band trat grundsätzlich nur in schwarzer Kleidung und mit Sonnenbrillen auf. Gestaltet waren die Exploding Plastic Inevitable genannten Auftritte als Aufsehen erregende Multimedia-Happenings, zu denen Malanga, Eric Emerson und Mary Woronov ihren „Peitschentanz“ aufführten. Wie in seinen Filmen dokumentierte Warhol auch mit seiner Band die „dunkle Seite“ der zeitgenössischen Rockmusik. Als Fotograf arbeitete Warhol unermüdlich. Alles und jeder wurde porträtiert. Mit seinen Polaroid-Sofortbildkameras hielt er das Geschehen um ihn herum fest, in seinem Nachlass gibt es Zehntausende Fotos, die nie der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Warhol versuchte sich auch als Buchautor. Da er nicht nur viel fotografierte, filmte und malte, sondern ebenfalls Tonbandaufnahmen machte, kam ihm die Idee, eine Person aus seiner Umgebung 24 Stunden lang (wohl in Anspielung auf den Ulysses von James Joyce) mit dem Mikrofon zu verfolgen und alles, was er sagte, festzuhalten. Diese Person fand er in „Ondine“ (Robert Olivo), einem notorischen Speedfreak, der pausenlos quasselte, wenn er wieder Drogen genommen hatte – was bei ihm der Dauerzustand war. Die Aufnahmen, in Wahrheit nicht am Stück, sondern über mehrere Monate gemacht, stellen ein unlesbares Dokument des Aberwitzes dar. Stundenlange Monologe, abwechselnd mit aggressiven Unterhaltungen, zu denen auch Edie Sedgwick, Lou Reed und andere beitrugen, sind völlig dilettantisch von zufällig in der Factory anwesenden Besuchern abgetippt worden. Das Buch strotzt nur so vor Fehlern, aber das ist genau das, was Warhol wollte. Als der Verlagslektor dagegen Einspruch erhob, deklarierte Warhol das Buch zum Kunstwerk und damit alle Fehler, Ungereimtheiten, Lücken und durcheinander geratenen Passagen. Der Titel des Buchs ist Programm: A: A Novel (A: Ein Roman), wobei „A“ für Amphetamin steht, dessen Wirkungen es dokumentiert. Kaum bekannt ist, dass er sogar ein Theaterstück „geschrieben“ hat. 1971 wurde das Stück Pork in New York und London aufgeführt (Regie: Anthony J. Ingrassia), das auf Tonbandmitschnitten von Telefongesprächen zwischen Warhol und Brigid Berlin basierte. Das Stück, welches angeblich zuerst 29 Akte und 200 Stunden lang war, sorgte überall für Verwirrung und Ärger, denn es schien eine Abrechnung mit den eigenen Superstars unter der Gürtellinie zu sein. Der Titel Pork, „Schwein“, ist eine Verballhornung des Alias-Namens Brigid Polk, Billy Name wurde zu Billy Noname, „Viva“ zu Vulva, die Handlungen der meist nackten Darsteller waren obszön. Trotzdem lief es im Londoner The Roundhouse über ein Jahr lang. Am Morgen des 22. Februar 1987 verstarb Warhol überraschend und unter bis heute ungeklärten Umständen an den Komplikationen einer Gallenblasenoperation im New York Hospital. Er wurde im engsten Familienkreis in seinem Geburtsort Pittsburgh beigesetzt. Mit einer Messe in der St. Patrick’s Cathedral wurde des Künstlers unter Teilnahme von über 2.000 Trauergästen gedacht. Testamentarisch wurde Fred Hughes als Nachlassverwalter bestimmt. Als Haupterben seines Vermögens (das New York Magazine schätzte es damals auf über 100 Millionen US-Dollar) hatte der Künstler, neben Familienmitgliedern, die Gründung der Stiftung Andy Warhol Foundation for Visual Arts bestimmt. Abgesehen von der Versteigerung der Devotionalien brachten allein die Werke aus Warhols Privatsammlung seiner Künstlerkollegen wie Cy Twombly oder Rauschenberg mehrere Millionen Dollar.

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